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Bugatti Royale PDF Drucken E-Mail
News - Kurzmeldungen
Donnerstag, den 29. Juli 2010 um 00:00 Uhr
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Der Klassiker aller Klassiker:

news_bugatti02Der Bugatti Royale, offiziell Typ 41 genannt, ist der Inbegriff des Luxus-Oldtimers schlechthin. Selbst Menschen, die sich nicht näher mit dem Thema beschäftigen, haben zu diesem Fahrzeug meist spontan ein Bild im Kopf: eine ewig lange Motorhaube auf einem noch längeren Chassis, das souverän, groß und stolz auf silbernen Scheibenrädern steht. Zumeist ist die Lackierung zweifarbig, mit einem hellen Ton auf den Seitenflächen des Motor-Compartments, der auf den Fahrertüren als Halbkreis endet. In diesem Bild vom Luxus-Bugatti sitzt der Chauffeur unter freiem Himmel, während die Herrschaften in einem geschlossenen Fond Platz nehmen. Dieser Aufbau heißt „Coupé de Ville“ oder auch „Coupé Napoleon“.. Tatsächlich ist dies jedoch nur eine Karosserieform des Typ 41 gewesen. Es gibt geschlossene, halb geschlossene und offene Varianten: Wie damals im Luxuswagen-Markt üblich, lieferte Bugatti nur das "Rolling Chassis", also Fahrgestell mit Motor und Bedieneinrichtungen. Ettore Bugatti lieferte allerdings nur an ausgewählte Karosseriebauer, deren Entwurf er vorher absegnete. So stellte er sicher, dass nur angesehene Firmen und gestalterisch vollendete Aufbauten den "Royale" komplettierten. Ettores Sohn Jean zeichnete einige der Entwürfe mit eigener Hand. Er war auch verantwortlich für die Konstruktion des Typ 41.

 

Dieser Wagen sollte die damalige Luxusklasse toppen und Rolls-Royce, Mercedes-Benz, Maybach, Duesenberg und Cadillac in den Schatten stellen. Der Bugatti Royale sollte vom stärksten und laufruhigsten Motor seiner Zeit angetrieben werden. Zielpublikum waren vor allem die europäischen Königshäuser und die Industriebarone der damaligen Zeit. Als man 1919 mit den Planungen und Entwürfen begann, war die Stimmung gut – der erste Weltkrieg war vorbei und die goldenen 20er kündigten sich an. Das erste Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer 41-111 wurde 1926 produziert und nacheinander mit unterschiedlichen Karosserien versehen. Es wurde beim Großen Preis von Deutschland am Nürburgring im Juni 1928 erstmals öffentlich vorgeführt. Schon neigten sich die goldenen 20er ihrem jähen Ende zu, kommerzieller Erfolg blieb wegen der ab Ende 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise aus.

 

Schließlich wurden insgesamt nur sechs Fahrzeuge gebaut. Aufgrund seines Preises, seiner Exklusivität, seiner Technik und der geringen gebauten Stückzahl ist das Fahrzeug heute eine Legende. Bis auf den Prototyp, der 1931 bei einem Unfall zerstört wurde, gibt es alle sechs Fahrzeuge noch. Sie befinden sich entweder in Museen oder in Privatbesitz, davon drei im Automobilmuseum von Mülhausen, und eines im Besitz von Volkswagen.

 

Der erste Kunde war 1931 der französische Industrielle Armand Esders – und eben jener erste ausgelieferte Typ 41 wird am Schloss Dyck zu sehen sein. Er entstammt der Sammlung Schlumpff, heute Musée National d’Automobile de France. Das gut sechs Meter lange Fahrzeug wird von einem 8-Zylinder-24-Ventil-Reihenmotor von zunächst 14,7 l Hubraum mit einer Leistung von etwa 220 kW (rund 300 PS) angetrieben. Dieser Motor ist 1,5 m lang, enthält 14 Liter Öl, im Kühlkreislauf schwappen 48 Liter Wasser und der Benzintank bunkert 190 Liter. Das Gesamtgewicht des Fahrzeugs beträgt mehr als drei Tonnen.

 

Der Royale in den Dycker Schloss-Remisen war das erste Modell, das in Kundenauftrag hergestellt wurde. Es erhielt 1932 eine Cabriolet-Karosserie für den Pariser Industriellen Armand Esders. Die Karosserie verfügt über lange, geschwungene Kotflügel und fließende Linien. Der Entwurf folgt der Formensprache des etwa zeitgleich erschienenen Bugatti T55 (Roadster und Coupé), die ebenfalls Jean Bugatti entworfen hatte. Natürlich hat der "Royale" beträchtlich größere Dimensionen. Das Esders-Cabrio verfügt über abnehmbare Scheinwerfer, die in einem Fach im Heck verstaut werden können. Sein Eigentümer pflegte nachts nicht zu fahren und fand, dass sie die Gesamtlinie störten.

 

Für alle, die es genau wissen wollen:

Technische Daten:

  • Radstand: 4300 mm (1. Wagen bis 1931 mit 4530 mm)
  • Fahrzeuglänge: 6000–6500 mm
  • Fahrzeugbreite: 1990–2030 mm
  • Gesamtgewicht: 3000–3180 kg
  • Rahmen: Stahlprofilrahmen mit x-förmigen Verstrebungen
  • Aufhängung (vorn): Starrachse mit Halbelliptikfedern
  • Aufhängung (hinten): Starrachse mit zwei Paaren Viertelelliptikfedern
  • Bremsen: 4 Trommelbremsen, in die Leichtmetallfelgen eingegossen. Bremsdurchmesser ca. 50 cm, betätigt mechanisch über Seilzug
  • Bereifung: Leichtmetallräder mit 24 Zoll
  • Motor: Achtzylinder-Reihenmotor
  • Zündkerzen: 16
  • Bohrung: 125 mm
  • Kolbenhub: 130 mm (1. Wagen von 1926 bis 1931 mit 150 mm)
  • Hubraum: 12.763 cm³ (1. Wagen bis 1931 mit 14.720 cm³)
  • Leistung: 221/199 kW (300/270) PS bei 3000 U/min.
  • Ventile: 24 (3 pro Zylinder: 1x Einlass, 2x Auslass)
  • Ventilsteuerung: eine obenliegende Nockenwelle
  • Kurbelwellengewicht: 137,5 kg
  • Gemischaufbereitung: ein Bugatti-Schebler Doppelvergaser
  • Verbrauch: etwa 37,5 Liter pro Stunde (es macht keinen Unterschied, ob man fährt oder steht)
  • Getriebe: 3-Gang-Getriebe vor der Hinterachse
  • Antrieb: Hinterachse
  • Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
  • Anzahl gebauter „Typ 41“ Fahrgestelle: 6 (+1)
  • Fahrgestell-Nummern: 41100, 41100 (II), 41111, 41121, 41131, 41141, 41150.
  • Anzahl gebauter Motoren: 30

 

Der Achtzylinderblock ist nach Maßen und Hubraum der größte je in einem Straßen-Pkw verbaute Motor. Seine unglaubliche Elastizität erlaubt es, ab ca. 10 km/h in den 2. Gang zu schalten. Diese Fahrstufe kann mühelos auf über 100 km/h beschleunigt werden. Die ausbleibenden Bestellungen führten zu einem Lagerbestand an nicht verbauten Motoren. Diese wurden in Molsheim gelagert und gelangten ab 1935 zum Einbau in die neuen vierachsigen Schienen-Triebwagen, die Bugatti für die französischen Eisenbahn SNCF entwickelt hatte. Ein solcher SNCF XB 1000 benötigte, je nach Ausführung, zwei bis vier dieser Motoren. Die SNCF bestellte insgesamt 79 dieser Schienenfahrzeuge und machte damit zumindest die Maschine des Royale noch zu einem kommerziellen Erfolg für Bugatti.


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